SIZE MATTERS

Vom kosmischen Netz zum Molekül

Eine Reise durch die unvorstellbaren Dimensionen unseres Universums, vom größten bekannten kosmischen Gebilde bis zu den kleinsten Bausteinen der Materie.
Milliarden Galaxien mit jeweils Milliarden Sternen bilden gewaltige Strukturen, die sich über Milliarden Lichtjahre erstrecken. Dagegen erscheint unsere Milchstraße, die immerhin einen Durchmesser von rund 100.000 Lichtjahren besitzt, geradezu bescheiden. Unsere Sonne ist nur einer von unzähligen Sternen, und unsere Erde wiederum ein winziger Planet, der diesen Stern umkreist.

Auf der Erde begegnen uns Größenverhältnisse, die wir aus eigener Erfahrung kennen. Berge, Bäume, Tiere und schließlich der Mensch selbst bilden unsere vertraute Welt. Doch schon ein gewöhnliches Sandkorn eröffnet den Zugang zu Dimensionen, die sich unseren unmittelbaren Sinnen entziehen.
Unter dem Mikroskop entdecken wir Zellen, Bakterien und winzige Strukturen, die mit bloßem Auge unsichtbar bleiben. Noch kleiner sind Viren, Moleküle und Atome. Und selbst ein Atom ist keineswegs der kleinste Baustein der Materie. Sein winziger Kern besteht aus Protonen und Neutronen, die ihrerseits aus noch kleineren Bestandteilen aufgebaut sind.

Doch wie können wir etwas untersuchen, das Milliarden Lichtjahre entfernt oder millionenfach kleiner als ein Sandkorn ist?

Die Antwort liegt in den Werkzeugen der Wissenschaft. Teleskope empfangen Licht und andere elektromagnetische Strahlung aus den Tiefen des Universums. Mikroskope erschließen die verborgene Welt des Kleinsten. Teilchenbeschleuniger und empfindliche Messinstrumente ermöglichen Untersuchungen von Vorgängen, die wir niemals unmittelbar mit unseren Augen beobachten könnten.
Dabei unterscheiden sich die Methoden grundlegend: Manche Dinge können wir tatsächlich fotografieren, andere lassen sich nur durch ihre messbaren Wirkungen nachweisen. Wieder andere, wie die sogenannte Planck-Länge, begegnen uns bislang ausschließlich als theoretische Größen in der Physik.

In dieser Reise betrachten wir die Welt aus immer neuen Größenordnungen. Wir beginnen beim beobachtbaren Universum, besuchen gigantische kosmische Strukturen, Galaxien, Schwarze Löcher, Sterne und Planeten. Danach führt uns der Weg über die Dimensionen des Lebens bis tief in die mikroskopische und subatomare Welt.
Dabei werden wir feststellen, dass Größe nicht nur eine Frage von Metern und Kilometern ist. Sie bestimmt, wie sich die Natur verhält, welche physikalischen Gesetze besonders wichtig werden und mit welchen Methoden wir unsere Umgebung erforschen können.

Und mittendrin steht der Mensch: winzig im Vergleich zum Universum, unvorstellbar groß gegenüber den Teilchen, aus denen er selbst besteht – und dennoch fähig, beide Welten mit seinem Verstand zu erforschen.

Die Erforschung des Makrokosmos

Die moderne Astronomie verfügt über eine Vielzahl hochentwickelter Instrumente, mit denen wir das Universum in unterschiedlichen Wellenlängenbereichen untersuchen können:
Optische Teleskope sammeln und bündeln sichtbares Licht. Radioteleskope empfangen Radiowellen aus dem Weltraum. Andere Instrumente registrieren Infrarot-, Ultraviolett- oder Röntgenstrahlung und erschließen uns damit Vorgänge, die für das menschliche Auge unsichtbar bleiben.

Jeder dieser Strahlungsbereiche liefert unterschiedliche Informationen. Infrarotteleskope können beispielsweise durch ausgedehnte Staubwolken hindurch Regionen untersuchen, in denen neue Sterne entstehen. Röntgenteleskope erfassen besonders energiereiche Vorgänge, etwa in der Umgebung Schwarzer Löcher.
Weltraumteleskope wie Hubble oder James Webb beobachten außerhalb der Erdatmosphäre und können dadurch Strahlungsbereiche und Details erfassen, die von der Erdoberfläche aus nur eingeschränkt oder überhaupt nicht zugänglich sind.

Der Blick in die Vergangenheit

Eine der faszinierendsten Besonderheiten astronomischer Beobachtungen ist, dass wir mit zunehmender Entfernung immer weiter in die Vergangenheit blicken.
Das Licht unserer Sonne benötigt etwa acht Minuten bis zur Erde. Wir sehen die Sonne daher stets so, wie sie vor acht Minuten ausgesehen hat. Beim nächstgelegenen Sternsystem Alpha Centauri beträgt diese Verzögerung bereits mehr als vier Jahre.
Das Licht weit entfernter Galaxien war hingegen Milliarden Jahre unterwegs. Astronomen können deshalb Galaxien beobachten, wie sie in einer frühen Entwicklungsphase des Universums ausgesehen haben.
Die Astronomie ermöglicht uns somit nicht nur die Erforschung des Raumes, sondern auch die Rekonstruktion der kosmischen Geschichte.

Die Vermessung des Universums

Besonders große kosmische Strukturen lassen sich nicht einfach mit einem Teleskop als Ganzes fotografieren. Ihre Ausdehnung wird erst durch systematische Vermessungen erkennbar.
Astronomen bestimmen die Positionen und Entfernungen von Millionen Galaxien. Eine wichtige Methode ist dabei die Messung der sogenannten Rotverschiebung: Durch die Expansion des Universums wird das Licht entfernter Galaxien zu längeren Wellenlängen verschoben.
Aus diesen und weiteren Messdaten entstehen dreidimensionale Karten, auf denen sich die großräumige Verteilung der Galaxien erkennen lässt.
Dabei zeigt sich eine erstaunliche Ordnung: Galaxien sind keineswegs gleichmäßig verteilt. Sie bilden Gruppen, Haufen und gewaltige, miteinander verbundene Filamente. Dazwischen erstrecken sich riesige, vergleichsweise materiearme Regionen, sogenannte Voids.
Diese netzartige Verteilung bezeichnen Astronomen als das kosmische Netz.

Die Erforschung des Mikrokosmos

Während Teleskope möglichst viel Strahlung aus großer Entfernung sammeln, müssen Mikroskope winzige Strukturen mit möglichst hoher Auflösung erfassen.

Das klassische Lichtmikroskop arbeitet mit sichtbarem Licht und optischen Linsen. Es ermöglicht die Untersuchung lebender Zellen, ihrer Bewegungen und vieler Mikroorganismen. Seine Auflösung ist allerdings durch die Wellenlänge des verwendeten Lichts begrenzt. Zwei sehr nahe beieinanderliegende Strukturen lassen sich irgendwann nicht mehr getrennt erkennen.
Elektronenmikroskope verwenden stattdessen Elektronenstrahlen, deren Welleneigenschaften eine wesentlich höhere Auflösung ermöglichen. Damit können Wissenschaftler kleinste Zellbestandteile, Viren und unter geeigneten Bedingungen sogar einzelne Atome beziehungsweise ihre Anordnung untersuchen.
Eine weitere Methode ist die Rastertunnelmikroskopie. Dabei bewegt sich eine extrem feine Spitze über eine leitfähige oder halbleitende Oberfläche. Ein winziger elektrischer Tunnelstrom liefert Informationen über deren atomare Struktur.
Die entstehenden Bilder sind keine gewöhnlichen Fotografien. Sie beruhen auf Messwerten, die in eine sichtbare Darstellung umgesetzt werden.

Von der Mikroskopie zur Teilchenphysik

Noch kleinere Dimensionen erschließt uns die Teilchenphysik. Ihr wichtigstes Forschungsinstrument ist der Teilchenbeschleuniger.
In großen Beschleunigeranlagen werden elektrisch geladene Teilchen durch elektromagnetische Felder auf extrem hohe Geschwindigkeiten gebracht und anschließend gezielt zur Kollision gebracht.
Dabei können neue Teilchen entstehen, die mit empfindlichen Detektoren nachgewiesen werden. Diese registrieren beispielsweise elektrische Ladungen, Bewegungsrichtungen und Energien.
Aus den Messdaten rekonstruieren Wissenschaftler die Vorgänge während der Kollisionen. Auf diese Weise untersuchen sie die Eigenschaften von Quarks, Elektronen und anderen Elementarteilchen sowie die Kräfte, die zwischen ihnen wirken.
Der Large Hadron Collider am europäischen Forschungszentrum CERN bei Genf ist ein besonders bekanntes Beispiel für diese Technologie.

Die Grenzen unserer Messinstrumente

Jede wissenschaftliche Beobachtungsmethode besitzt physikalische und technische Grenzen.
In der Astronomie begrenzen unter anderem die Empfindlichkeit der Instrumente, die Entfernung der Objekte und die Ausbreitung des Lichts unsere Beobachtungsmöglichkeiten.
In der Mikroskopie bestimmen vor allem die verwendete Strahlung, die Wechselwirkung mit der Probe und die Leistungsfähigkeit der Messgeräte, welche Details aufgelöst werden können.
In der Teilchenphysik wiederum sind die erreichbaren Energien und die Genauigkeit der Detektoren entscheidend.
Mit verbesserten Instrumenten und neuen Messverfahren verschieben Wissenschaftler diese Grenzen immer weiter. Dennoch bleibt eine grundlegende Unterscheidung bestehen: Ein direkt aufgenommenes Bild, eine aus Messdaten rekonstruierte Darstellung und ein theoretisches Modell sind unterschiedliche Formen wissenschaftlicher Erkenntnis.

Unsere Fähigkeit, die Natur zu verstehen, hängt daher nicht allein davon ab, was wir sehen können, sondern vor allem davon, was wir zuverlässig messen und aus diesen Messungen ableiten können.

Der Begriff „Makrokosmos“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet sinngemäß „große Welt“.
Unsere Reise beginnt bei den größten Dimensionen überhaupt: dem beobachtbaren Universum, gewaltigen kosmischen Strukturen und riesigen Galaxien. Danach begegnen wir ultramassereichen Schwarzen Löchern, gigantischen Sternen und Planeten. Zwischen diesen Objekten liegen Größenunterschiede, die unsere Vorstellungskraft weit übersteigen.
Doch die Reise endet keineswegs bei den Himmelskörpern. Auch unsere Erde, ihre Berge und Ozeane, die Lebewesen und schließlich der Mensch selbst gehören zu dieser Welt.

Die Bezeichnung „Mikrokosmos“ verwenden wir dagegen für die Welt der winzigen Strukturen, die sich unserer unmittelbaren Wahrnehmung weitgehend entziehen: Zellen, Bakterien, Moleküle, Atome und die fundamentalen Bausteine der Materie.
Eine genaue Größengrenze zwischen beiden Welten gibt es nicht. Die Übergänge sind fließend.

Der Mensch nimmt dabei eine besondere Stellung ein:
Gemessen an den Dimensionen des Universums ist er verschwindend klein. Verglichen mit den Atomen, aus denen sein Körper besteht, ist er dagegen unvorstellbar groß.
Doch wie groß ist der Mensch eigentlich? Selbst innerhalb unserer eigenen Art gibt es erstaunliche Größenunterschiede.

Der Mensch als Maßstab

Weltweit beträgt die durchschnittliche Körpergröße erwachsener Männer etwa 1,71 Meter, in Österreich liegt sie bei rund 1,77 Metern.

Wie außergewöhnlich groß ein Mensch werden kann, zeigt das Beispiel von Robert Wadlow, der 1918 im amerikanischen Bundesstaat Illinois geboren wurde. Er gilt mit einer Körpergröße von 2,72 Metern als der größte Mensch, dessen Größe jemals zweifelsfrei dokumentiert wurde. Schon als Kind überragte er seine Altersgenossen. Ursache seines außergewöhnlichen Wachstums war eine Erkrankung der Hirnanhangsdrüse, die zu einer übermäßigen Produktion von Wachstumshormonen führte. Wadlow wuchs bis zu seinem frühen Tod im Jahr 1940 weiter. Er wurde nur 22 Jahre alt.

Am anderen Ende der Größenskala steht Chandra Bahadur Dangi aus Nepal. Mit einer Körpergröße von gerade einmal 54,6 Zentimetern war er der kleinste erwachsene Mensch, dessen Größe offiziell bestätigt wurde. Bei seiner Aufnahme in das Guinness-Buch der Rekorde im Jahr 2012 war er bereits 72 Jahre alt. Trotz seiner außergewöhnlich geringen Körpergröße führte er über Jahrzehnte ein weitgehend selbstständiges Leben in einem abgelegenen nepalesischen Bergdorf. Er starb 2015 im Alter von 75 Jahren.

Der Größenunterschied zwischen diesen beiden Männern ist bemerkenswert: Robert Wadlow war beinahe fünfmal so groß wie Chandra Bahadur Dangi. Beide gehörten dennoch derselben biologischen Art an und besaßen grundsätzlich denselben menschlichen Körperbau.

Die Grenzen der menschlichen Körpergröße

Wie groß oder klein ein Mensch werden kann, hängt von zahlreichen Faktoren ab. Die genetische Veranlagung spielt eine entscheidende Rolle, aber auch Ernährung, Gesundheitszustand und hormonelle Entwicklung beeinflussen das Wachstum.

Besonders wichtig sind die Wachstumshormone und die sogenannten Wachstumsfugen der Knochen. Solange diese während der Kindheit und Jugend geöffnet sind, können die langen Röhrenknochen wachsen. Nach dem Abschluss der Pubertät schließen sich diese Wachstumsfugen, und das natürliche Längenwachstum endet.

Eine übermäßige Produktion von Wachstumshormonen kann zu krankhaftem Riesenwuchs führen. Umgekehrt können genetische Veränderungen oder Störungen der körperlichen Entwicklung ein außergewöhnlich geringes Wachstum verursachen.

Der menschlichen Körpergröße sind außerdem funktionelle Grenzen gesetzt. Mit zunehmender Größe steigen die Anforderungen an das Skelett, die Muskulatur und das Herz-Kreislauf-System. Knochen und Gelenke müssen größere Belastungen tragen, während Herz und Kreislauf einen entsprechend größeren Körper versorgen müssen. Extreme Körpergrößen können deshalb erhebliche gesundheitliche Probleme verursachen.

Eine naturwissenschaftlich exakt festgelegte maximale oder minimale Körpergröße des Menschen gibt es allerdings nicht. Die dokumentierten Rekorde zeigen vielmehr, welche außergewöhnlichen Dimensionen der menschliche Körper unter besonderen biologischen Bedingungen erreichen kann.

Und damit verlassen wir die vertrauten Größenverhältnisse unserer eigenen Art. Denn selbst der kleinste Mensch besteht aus Billionen winziger Zellen, deren Aufbau uns den Zugang zu einer völlig anderen Welt eröffnet: dem Mikrokosmos.

Der Mikrokosmos

Einen Floh können wir mit bloßem Auge gerade noch wahrnehmen. Doch erst unter dem Mikroskop entpuppt sich bei entsprechender Vergrößerung ein Wunderwerk der Natur. Der Floh besitzt einen widerstandsfähigen Körperpanzer, feinste Sinnesorgane und kräftige Sprungbeine, mit denen er ein Vielfaches seiner eigenen Körperlänge überwinden kann. Dabei misst er gerade einmal zwei bis drei Millimeter.

Noch kleiner ist das Bärtierchen, ein faszinierendes Lebewesen von meist weniger als einem Millimeter Länge. Seinen Namen verdankt es den acht kurzen Beinchen und seinem etwas plumpen, an einen winzigen Bären erinnernden Körper. Trotz seines unscheinbaren Aussehens gehört es zu den widerstandsfähigsten bekannten Tieren. Manche Arten können extreme Kälte, große Hitze und sogar den Aufenthalt im Vakuum des Weltraums überstehen, indem sie ihren Stoffwechsel nahezu vollständig zum Stillstand bringen.

Wie alle Lebewesen bestehen diese winzigen Tiere aus zahlreichen Zellen. Eine typische menschliche Körperzelle misst ungefähr 0,02 Millimeter und ist damit bereits rund hundertmal kleiner als ein Floh.
Jede dieser Zellen ist eine hochkomplexe biologische Einheit. Sie besitzt eine schützende Zellmembran, zahlreiche spezialisierte Bestandteile und meist einen Zellkern, der die Erbinformation enthält. Unzählige chemische Prozesse laufen gleichzeitig ab, damit die Zelle ihre Aufgaben erfüllen kann.

Noch kleiner sind Bakterien. Diese einzelligen Lebewesen messen häufig nur wenige Tausendstel Millimeter. Dennoch können sie sich selbstständig ernähren, wachsen und vermehren. Manche sind Krankheitserreger, viele andere sind für das Leben auf der Erde unverzichtbar.

Und schließlich sind da noch die Viren. Viele von ihnen sind ungefähr hundertmal kleiner als ein durchschnittliches Bakterium. Sie besitzen keinen eigenen Stoffwechsel und können sich nur mithilfe geeigneter Wirtszellen vermehren. Trotz ihrer winzigen Abmessungen können sie tiefgreifende Auswirkungen auf größere Lebewesen haben.

Mit jeder weiteren Verkleinerung entdecken wir eine neue Welt, deren Aufbau und Gesetzmäßigkeiten sich immer deutlicher von unserer vertrauten Umgebung unterscheiden.

Während wir größere Zellen und viele Mikroorganismen noch mit Lichtmikroskopen betrachten können, benötigen wir für Viren und feinste Zellstrukturen wesentlich leistungsfähigere Verfahren, etwa die Elektronenmikroskopie.

Doch irgendwann erreichen auch diese Technologien ihre Grenzen. Je kleiner die untersuchten Strukturen werden, desto schwieriger wird es, sie in einer Form abzubilden, die unserem gewohnten Sehen entspricht.

Wissenschaftler müssen dann zunehmend auf indirekte Messungen, aufwendige Rekonstruktionen und mathematische Erklärungsmodelle zurückgreifen. Diese Modelle beruhen auf experimentellen Ergebnissen und ermöglichen zuverlässige Aussagen über Strukturen und Vorgänge, die sich nicht mehr wie gewöhnliche Gegenstände fotografieren lassen.

Damit verlassen wir die Welt der klassischen Mikroskopie und betreten eine noch viel kleinere Dimension: die Welt der Moleküle, Atome und Quanten.
Hier verlieren viele unserer alltäglichen Vorstellungen von Größe, Form und Bewegung ihre Gültigkeit. Die Natur folgt Gesetzmäßigkeiten, die wir mathematisch präzise beschreiben können, die sich unserer unmittelbaren Anschauung jedoch weitgehend entziehen.

Willkommen in der unsichtbaren Welt.

Die unsichtbare Welt

Was uns zunächst als feste, greifbare Materie erscheint, besteht in Wirklichkeit aus winzigen Bausteinen, deren Eigenschaften sich grundlegend von denen unserer vertrauten Alltagswelt unterscheiden.

Alles, was uns umgibt besteht aus Atomen, die Luft, das Wasser, die Erde und auch unser eigener Körper. Diese wiederum können sich zu Molekülen verbinden, die den Aufbau und die Eigenschaften der unterschiedlichsten Stoffe bestimmen. Ein Wassermolekül beispielsweise besteht aus nur drei Atomen: zwei Wasserstoffatomen und einem Sauerstoffatom.

Doch auch die Atome sind keine unteilbaren Kügelchen, wie man lange Zeit angenommen hatte. Sie bestehen aus einem winzigen Atomkern, der von einer ausgedehnten Elektronenwolke umgeben ist. Im Kern befinden sich Protonen und Neutronen, die ihrerseits aus noch kleineren Bestandteilen, den sogenannten Quarks, aufgebaut sind.

Mit der Erforschung dieser Strukturen gelangen wir in den Bereich der Quantenphysik. Hier gelten Gesetzmäßigkeiten, die unserer alltäglichen Erfahrung häufig widersprechen.

Elektronen verhalten sich unter bestimmten Bedingungen wie Teilchen, unter anderen zeigen sie Eigenschaften von Wellen. Dasselbe gilt für Photonen, die kleinsten Energieeinheiten des Lichts. Anders als gewöhnliche Gegenstände besitzen diese Elementarteilchen nach unserem heutigen Wissen keinen messbaren Durchmesser.

Die Quantenwelt ist deshalb keine weitere, noch kleinere Ansammlung winziger Gegenstände. Sie beschreibt vielmehr eine fundamentale Ebene der Natur, auf der sich Energie, Materie und ihre Wechselwirkungen nur mithilfe quantenphysikalischer Gesetze richtig verstehen lassen.

Dabei spielt der Zufall eine bemerkenswerte Rolle. Während wir die Bewegung eines Planeten mit großer Genauigkeit vorausberechnen können, erlaubt uns die Quantenphysik bei manchen Vorgängen nur Aussagen über die Wahrscheinlichkeit bestimmter Messergebnisse.

Dennoch gehört die Quantentheorie zu den erfolgreichsten wissenschaftlichen Theorien überhaupt. Ohne ihre Erkenntnisse wären zahlreiche moderne Technologien, darunter Halbleiter, Laser und viele elektronische Geräte, nicht denkbar.

Wie weit lässt sich diese Reise ins Kleinste überhaupt fortsetzen?

Mit der sogenannten Planck-Länge gelangen wir schließlich zu einer theoretischen Größenordnung, die unvorstellbar weit unterhalb der Dimensionen eines Atomkerns liegt. Ob die Natur tatsächlich eine kleinste mögliche Länge besitzt, wissen wir nicht. An dieser Grenze reichen unsere bisherigen physikalischen Theorien nicht mehr aus, um alle Vorgänge zuverlässig zu beschreiben.

So endet unsere Reise vorläufig nicht bei einem eindeutig bestimmbaren kleinsten Gegenstand, sondern an den Grenzen unseres heutigen Wissens.
Und vielleicht liegt gerade darin die größte Faszination der Wissenschaft: Je mehr wir über die Natur erfahren, desto deutlicher erkennen wir, wie viel es noch zu entdecken gibt.

Was ist Fotografie, was ist Modell ?

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte, heißt es. Doch können wir wirklich alles fotografieren, was die Wissenschaft erforscht? Und zeigt uns eine wissenschaftliche Abbildung tatsächlich das, was wir mit unseren eigenen Augen sehen würden?

In der Astronomie entstehen beeindruckende Aufnahmen ferner Galaxien, Sterne und Nebel. Teleskope sammeln das Licht dieser Himmelskörper und zeichnen es mit empfindlichen Sensoren auf. Häufig werden mehrere Einzelaufnahmen kombiniert und die Farben nachträglich bearbeitet, um Strukturen sichtbar zu machen. Manche Bilder beruhen sogar auf Strahlung, die für das menschliche Auge unsichtbar ist und erst durch eine künstliche Farbzuordnung dargestellt werden kann.

Bei der Elektronenmikroskopie ist das Verfahren grundlegend anders. Hier wird kein gewöhnliches Licht verwendet, sondern ein Elektronenstrahl, der mit der untersuchten Probe wechselwirkt. Aus den dabei gewonnenen Messsignalen erzeugt ein Computer ein Bild. So können wir beispielsweise die Oberflächen winziger Bakterien mit erstaunlicher Detailgenauigkeit betrachten. Die Aufnahmen sind ursprünglich meist schwarz-weiß; ihre oft spektakulären Farben werden nachträglich hinzugefügt.

Noch schwieriger wird die bildliche Darstellung in der Welt der Atome und Elementarteilchen. Hier stoßen unsere gewohnten Vorstellungen von Form, Farbe und Gestalt an ihre Grenzen.
Ein Atom sieht nicht tatsächlich so aus wie die bekannten Modelle mit kleinen Kugeln, die auf festen Bahnen um einen Kern kreisen. Moderne quantenphysikalische Modelle beschreiben vielmehr, mit welcher Wahrscheinlichkeit sich ein Elektron bei einer Messung in einem bestimmten Bereich nachweisen lässt. Die daraus entstehenden Bilder sind Visualisierungen mathematischer Beschreibungen, keine gewöhnlichen Fotografien.

Zwischen einer Fotografie, einem aus Messwerten erzeugten Bild und einem wissenschaftlichen Modell besteht also ein wesentlicher Unterschied.
Eine Fotografie zeichnet einfallende Strahlung auf. Ein Messbild macht physikalische Signale sichtbar. Ein Modell veranschaulicht Zusammenhänge und Eigenschaften, die sich häufig nicht unmittelbar abbilden lassen.
Alle drei Verfahren helfen uns, die Natur zu verstehen. Entscheidend ist, dass wir wissen, wie ein Bild entstanden ist und welche Informationen es tatsächlich vermittelt.

Auch die drei Abbildungen unserer Illustration sind beispielhafte Darstellungen dieser unterschiedlichen Methoden und keine unveränderten wissenschaftlichen Originalaufnahmen.
Denn die Wissenschaft beschränkt sich nicht darauf, die Welt sichtbar zu machen. Sie versucht vor allem, ihre Eigenschaften zu messen, ihre Gesetzmäßigkeiten zu erkennen und sie dadurch immer besser zu verstehen.

Lichtjahr 9,46 Billionen Kilometer
Kilometer 1.000 Meter
Meter 100 Zentimeter
Millimeter Ein Tausendstel Meter
Mikrometer Ein Tausendstel Millimeter
Nanometer Ein Millionstel Millimeter