Die kosmischen Dimensionen

Wer in einer klaren Nacht zum Sternenhimmel blickt, sieht nur einen winzigen Ausschnitt des Universums. Mit bloßem Auge erkennen wir einige Tausend Sterne, doch jenseits unserer unmittelbaren Wahrnehmung erstreckt sich ein Kosmos von nahezu unvorstellbaren Dimensionen.

Unsere Milchstraße allein enthält Hunderte Milliarden Sterne. Sie ist jedoch nur eine von unzähligen Galaxien, die sich zu Gruppen, Haufen und gewaltigen kosmischen Strukturen zusammenfinden. Zwischen ihnen liegen riesige Entfernungen, die wir längst nicht mehr in Kilometern, sondern in Lichtjahren messen.

Die moderne Astronomie hat uns gezeigt, dass das Universum keineswegs eine gleichmäßig verteilte Ansammlung von Sternen und Galaxien ist. Vielmehr bilden diese ein gigantisches kosmisches Netz aus Materie, dessen Ausdehnung unsere Vorstellungskraft übersteigt.

Doch auch innerhalb dieses Universums begegnen uns außergewöhnliche Größenunterschiede: Galaxien von Millionen Lichtjahren Durchmesser, Schwarze Löcher mit der Masse von Milliarden Sonnen, gigantische Sterne und Planeten, neben denen unsere Erde verschwindend klein erscheint.

Wie groß ist das Universum? Hat es einen Anfang und ein Ende? Und wenn es eine Grenze besitzt, was befindet sich dahinter?
Diese Fragen beschäftigen die Menschheit seit Jahrtausenden. Die moderne Astronomie hat darauf erstaunliche Antworten gefunden, doch zunächst müssen wir zwischen dem gesamten Universum und jenem Teil unterscheiden, den wir überhaupt beobachten können.

Das Universum entstand nach unserem heutigen wissenschaftlichen Verständnis vor etwa 13,8 Milliarden Jahren aus einem extrem heißen und dichten Anfangszustand. Seitdem dehnt sich der Raum aus. Wie groß das gesamte Universum tatsächlich ist, wissen wir nicht. Es könnte endlich, aber auch unendlich ausgedehnt sein.

Das beobachtbare Universum ist jener Teil des Kosmos, aus dem uns seit dem Urknall Licht oder andere Informationen erreichen konnten.

Da sich Licht mit einer endlichen Geschwindigkeit von rund 300.000 Kilometern pro Sekunde ausbreitet, können wir nur so weit in den Weltraum blicken, wie es das Alter des Universums erlaubt.
Man könnte deshalb vermuten, dass das beobachtbare Universum einen Radius von 13,8 Milliarden Lichtjahren besitzt. Tatsächlich ist es jedoch wesentlich größer.
Der Grund dafür ist die Expansion des Universums. Während das Licht ferner Galaxien Milliarden Jahre zu uns unterwegs war, hat sich der Raum zwischen ihnen und uns immer weiter ausgedehnt.
Nach heutigen Berechnungen besitzt das beobachtbare Universum deshalb einen Radius von rund 46 Milliarden Lichtjahren und einen Durchmesser von etwa 92 Milliarden Lichtjahren.

Doch was bedeutet das für seine Form?
Stellen wir uns einen Menschen vor, der auf dem offenen Meer steht. Rund um ihn erstreckt sich der sichtbare Horizont. Alles, was dahinter liegt, bleibt seinem Blick verborgen. Trotzdem würde niemand vermuten, dass dort die Welt zu Ende ist.
Ähnlich verhält es sich mit dem beobachtbaren Universum.

Von unserem Standort aus reicht der kosmische Beobachtungshorizont in alle Richtungen ungefähr gleich weit. Wir können uns den für uns beobachtbaren Raum deshalb als eine gewaltige Kugel vorstellen, in deren Mittelpunkt wir uns befinden.
Das bedeutet allerdings keineswegs, dass die Erde im Mittelpunkt des gesamten Universums steht.
Ein Beobachter in einer Milliarden Lichtjahre entfernten Galaxie hätte ebenfalls einen kugelförmigen Beobachtungshorizont, dessen Mittelpunkt sein eigener Standort wäre. Sein beobachtbares Universum würde sich teilweise mit unserem überschneiden, aber auch Regionen umfassen, die wir von der Erde aus nicht beobachten können.

Die Kugelform beschreibt also lediglich die Grenzen unserer Beobachtungsmöglichkeiten. Sie ist keine tatsächliche Außenwand des Universums.
Und selbst mit den leistungsfähigsten Teleskopen können wir nicht beliebig weit in die Vergangenheit blicken. In den ersten rund 380.000 Jahren nach dem Urknall war das Universum so heiß und dicht, dass sich Licht nicht frei ausbreiten konnte. Erst danach wurde der Kosmos durchsichtig.

Die damals freigesetzte Strahlung erreicht uns noch heute als sogenannte kosmische Mikrowellen-Hintergrundstrahlung. Sie ist das älteste Licht, das wir beobachten können, und liefert uns ein einzigartiges Bild des noch jungen Universums.
Was jenseits unseres kosmischen Horizonts liegt, bleibt unseren direkten Beobachtungen verborgen. Vieles spricht dafür, dass sich der Weltraum dort mit weiteren Galaxien und kosmischen Strukturen fortsetzt. Wie weit er tatsächlich reicht, können wir jedoch nicht bestimmen.
Das beobachtbare Universum ist somit nicht das gesamte Universum, sondern lediglich jener gewaltige Ausschnitt, den uns die Naturgesetze zu erforschen erlauben.

Die Hercules–Corona Borealis Great Wall

Nachdem wir das beobachtbare Universum als Ganzes betrachtet haben, wenden wir uns nun einer Struktur zu, die in diesem gewaltigen Kosmos zu den größten bekannten Kandidaten überhaupt zählt: der Hercules–Corona Borealis Great Wall. Schon ihr Name klingt eindrucksvoll, doch er kann leicht in die Irre führen. Es handelt sich nicht um eine „Mauer“ im wörtlichen Sinn, sondern um eine riesige Häufung kosmischer Materie in einem bestimmten Bereich des Universums.

Entdeckt wurde diese Struktur nicht durch ein einziges spektakuläres Foto, sondern durch die statistische Auswertung von Gammastrahlenausbrüchen. Solche Gamma-Ray Bursts gehören zu den energiereichsten Ereignissen im Universum. Weil sie aus enormen Entfernungen beobachtet werden können, eignen sie sich als Wegweiser für die großräumige Verteilung von Materie. Gerade in Richtung der Sternbilder Herkules und Nördliche Krone zeigte sich eine auffällige Häufung solcher Signale. Daher erhielt die Struktur den Namen "Hercules Corona Borealis Great Wall".

Ihre geschätzte Ausdehnung wird, je nach Modell und Auswertung, auf etwa 2 bis 3 Gigaparsec geschätzt, also auf ungefähr 7 bis 10 Milliarden Lichtjahre. Damit wäre sie so groß, dass ein Lichtstrahl Milliarden Jahre benötigen würde, um sie von einem Ende zum anderen zu durchqueren. Sollte sich diese Deutung endgültig bestätigen, wäre sie eine der größten, vielleicht sogar DIE größte bekannte Struktur im beobachtbaren Universum.

Eine so gewaltige Struktur wirft daher Fragen auf: Handelt es sich tatsächlich um ein zusammenhängendes kosmisches Gebilde, oder sehen wir mehrere benachbarte Strukturen, die aus unserer Perspektive wie eine einzige riesige Einheit erscheinen? Genau diese Frage ist wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt.

Die Hercules–Corona Borealis Great Wall zeigt uns eindrucksvoll, dass das Universum nicht gleichmäßig mit Galaxien gefüllt ist. Es besitzt vielmehr eine netzartige Struktur mit Filamenten, Knotenpunkten und riesigen Leerräumen.

Die größte Galaxie – IC 1101

Nachdem wir die gewaltigen Strukturen des kosmischen Netzes kennengelernt haben, wenden wir uns nun einem einzelnen seiner Bestandteile zu: einer Galaxie. Doch selbst unter den Milliarden Galaxien des Universums gibt es wahre Giganten, die unsere Vorstellungskraft herausfordern.
Eine davon ist IC 1101, eine riesige elliptische Galaxie im Zentrum des Galaxienhaufens Abell 2029. Sie befindet sich im Sternbild Jungfrau, ungefähr eine Milliarde Lichtjahre von unserer Erde entfernt, und gilt nach heutigem Kenntnisstand als die größte bekannte Galaxie mit einer zuverlässig vermessenen Ausdehnung.

Während unsere Milchstraße einen Durchmesser von ungefähr 100.000 Lichtjahren besitzt, erstreckt sich IC 1101 über rund 1,7 Millionen Lichtjahre. Sie ist damit etwa 17-mal so breit wie unsere Heimatgalaxie. Selbst das Licht benötigt rund 1,7 Millionen Jahre, um diese gewaltige Entfernung von einem Ende der Galaxie zum anderen zurückzulegen.
Auch ihre Masse ist beeindruckend. Wissenschaftler schätzen, dass die Sterne innerhalb ihres Hauptkörpers zusammen etwa 3,4 Billionen Sonnenmassen besitzen. Hinzu kommen gewaltige Mengen Dunkler Materie, deren Gravitationswirkung wesentlich zum Zusammenhalt der Galaxie beiträgt.
Anders als unsere spiralförmige Milchstraße besitzt IC 1101 keine auffälligen Spiralarme. Sie erscheint als riesiges, überwiegend elliptisches Sternensystem mit einem hellen Zentrum und einer weit ausgedehnten, immer schwächer werdenden Sternenhülle.

Doch wie konnte eine einzelne Galaxie derartige Dimensionen erreichen?

Die wahrscheinlichste Erklärung liegt in ihrer langen Entstehungsgeschichte. Über Milliarden Jahre hinweg sind zahlreiche kleinere Galaxien miteinander verschmolzen. Ihre Sterne, Gase und Dunkle Materie wurden Teil eines immer größeren Systems. Dieser Prozess wird als galaktische Verschmelzung bezeichnet und spielt eine entscheidende Rolle bei der Entstehung besonders massereicher Galaxien.
Bemerkenswert ist, dass IC 1101 offenbar noch immer wächst. Astronomen haben in ihrer Umgebung ausgedehnte, lichtschwache Sternenstrukturen entdeckt, die darauf hindeuten, dass weitere Materie aufgenommen wird.

Anders als ein Planet besitzt eine Galaxie keine feste Oberfläche oder scharf erkennbare Außengrenze. Ihre Sterne werden nach außen immer dünner verteilt, bis ihr Licht schließlich in die diffuse Sternenpopulation des umgebenden Galaxienhaufens übergeht.
Eine im Oktober 2026 veröffentlichte wissenschaftliche Untersuchung konnte diesen Übergang bei IC 1101 erstmals besonders präzise bestimmen. Dabei wurde der Durchmesser ihres eigentlichen Sternenkörpers mit rund 1,7 Millionen Lichtjahren angegeben. Ältere Schätzungen von fünf bis sechs Millionen Lichtjahren bezogen auch wesentlich weiter entfernte, diffuse Sternenbereiche ein.

IC 1101 zeigt uns, welche erstaunlichen Ausmaße ein aus unzähligen Sternen bestehendes System erreichen kann. Trotz ihrer gewaltigen Größe ist sie jedoch kein einzelner kompakter Himmelskörper, sondern eine riesige Ansammlung gravitativ miteinander verbundener Materie.
Damit stellt sich eine neue Frage: Wie groß kann ein einzelnes, kompaktes Objekt im Universum werden?

Das größte kompakte Einzelobjekt – ein Schwarzes Loch

Wie groß kann ein einzelnes, kompaktes Objekt im Universum werden? Diese Frage führt uns zu einem der außergewöhnlichsten Phänomene der Astronomie: den Schwarzen Löchern. Besonders eindrucksvoll ist TON 618, eines der massereichsten bekannten Schwarzen Löcher.
TON 618 befindet sich im Zentrum einer weit entfernten Galaxie. Sein Licht war etwa 10,8 Milliarden Jahre unterwegs, bevor es die Erde erreichte. Wir beobachten dieses Objekt also zu einer Zeit, als das Universum erst rund drei Milliarden Jahre alt war.
Entdeckt wurde TON 618 bereits 1957 bei einer Himmelsdurchmusterung am mexikanischen Tonantzintla-Observatorium. Erst später erkannte man, dass es sich um einen sogenannten Quasar handelt.

Was ist ein Schwarzes Loch?

Ein Schwarzes Loch ist ein Bereich der Raumzeit, dessen Gravitation so stark ist, dass innerhalb einer bestimmten Grenze selbst Licht nicht mehr entkommen kann. Diese Grenze nennt man Ereignishorizont.
Das Schwarze Loch selbst sendet kein Licht aus. Allerdings kann Materie in seiner Umgebung eine rotierende Scheibe aus extrem heißem Gas bilden. Diese sogenannte Akkretionsscheibe strahlt gewaltige Energiemengen ab und kann heller leuchten als sämtliche Sterne der umgebenden Galaxie zusammen.

Solche außergewöhnlich leuchtkräftigen Galaxienkerne bezeichnet man als Quasare. TON 618 gehört zu den hellsten bekannten Vertretern.
Seine Masse wurde ursprünglich auf etwa 66 Milliarden Sonnenmassen geschätzt. Eine genauere Analyse aus dem Jahr 2019 ergab rund 41 Milliarden Sonnenmassen. Selbst nach dieser niedrigeren Schätzung gehört TON 618 zu den massereichsten bekannten Schwarzen Löchern.
Aus diesen Massenschätzungen ergibt sich für ein nicht rotierendes Schwarzes Loch ein rechnerischer Durchmesser des Ereignishorizonts von ungefähr 240 bis 390 Milliarden Kilometern.
Zum Vergleich: Die Umlaufbahn des Planeten Neptun besitzt einen Durchmesser von rund neun Milliarden Kilometern. Der Ereignishorizont von TON 618 wäre somit etwa 27- bis 43-mal so groß wie die gesamte Neptunbahn.

Kann man Schwarze Löcher fotografieren?

Lange Zeit konnten Astronomen Schwarze Löcher ausschließlich anhand ihrer Wirkungen auf die Umgebung nachweisen.
Am 10. April 2019 gelang mit dem internationalen Event Horizon Telescope ein historischer Durchbruch: Erstmals wurde eine Aufnahme des Schattens eines Schwarzen Lochs veröffentlicht. Das fotografierte Objekt befindet sich im Zentrum der Galaxie M87, etwa 55 Millionen Lichtjahre von uns entfernt.
Am 12. Mai 2022 folgte die erste Aufnahme von Sagittarius A*, dem Schwarzen Loch im Zentrum unserer Milchstraße.
Die Aufnahmen entstanden aus Radiomessungen eines weltweiten Netzwerks von Teleskopen. Sie zeigen einen hellen Ring aus Strahlung, der einen dunklen Bereich umgibt: den Schatten des Schwarzen Lochs.
Es handelt sich um tatsächliche astronomische Beobachtungen, deren Bilder aus den Messdaten rekonstruiert wurden.
Von TON 618 existiert bislang keine vergleichbare Aufnahme seines Schattens. Unsere Illustration ist daher eine künstlerische Darstellung auf Grundlage der bekannten physikalischen Eigenschaften.

Wie entstehen solche Giganten?

Kleinere Schwarze Löcher können entstehen, wenn besonders massereiche Sterne am Ende ihres Lebens unter ihrer eigenen Schwerkraft zusammenbrechen.
Wie jedoch Schwarze Löcher mit Milliarden Sonnenmassen entstehen konnten, ist noch nicht vollständig geklärt. Wahrscheinlich bildeten sich bereits im jungen Universum massereiche Vorläufer, die durch die Aufnahme von Gas und die Verschmelzung mit anderen Schwarzen Löchern immer weiter anwuchsen.
TON 618 zeigt eindrucksvoll, welche außergewöhnlichen Dimensionen ein kompaktes Objekt erreichen kann.

Doch im Gegensatz zu Schwarzen Löchern besitzen Sterne eine leuchtende, räumlich ausgedehnte Oberfläche beziehungsweise Atmosphäre.
Damit gelangen wir zu unserer nächsten Frage: Wie groß kann ein einzelner Stern werden?

Der größte Stern

Einer der eindrucksvollsten Kandidaten für den Titel des größten Sterns ist Stephenson 2-18, ein sogenannter Roter Überriese im Sternbild Schild. Er befindet sich in unserer Milchstraße, ungefähr 19.000 Lichtjahre von der Erde entfernt.
Sein geschätzter Durchmesser beträgt zwischen 2,6 - 3 Milliarden Kilometern, damit wäre er ungefähr 1.800- bis 2.150-mal so breit wie unsere Sonne, die einen Durchmesser von rund 1,4 Millionen Kilometern besitzt.

Um uns diese Dimensionen vorzustellen, versetzen wir Stephenson 2-18 gedanklich an die Stelle unserer Sonne. Seine gewaltige äußere Hülle würde die Bahnen von Merkur, Venus, Erde, Mars und Jupiter vollständig einschließen. Nach der größeren Schätzung würde sie sogar etwas über die Saturnbahn hinausreichen.
Ein Lichtstrahl benötigt nur etwa 4,6 Sekunden, um den Durchmesser unserer Sonne zu durchqueren. Für Stephenson 2-18 wären es dagegen ungefähr zweieinhalb bis drei Stunden.

Was ist ein Roter Überriese?

Sterne sind gewaltige, durch ihre eigene Schwerkraft zusammengehaltene Gaskugeln. In ihrem Inneren finden Kernfusionsprozesse statt, bei denen enorme Energiemengen freigesetzt werden. Diese Energie gelangt nach außen und lässt die Sterne leuchten.
Besonders massereiche Sterne verbrauchen ihren Wasserstoffvorrat im Zentrum wesentlich schneller als kleinere Sterne. Wenn sich ihre innere Struktur im Verlauf der Sternentwicklung verändert, können sich ihre äußeren Schichten gewaltig ausdehnen.
Dabei kühlt ihre sichtbare Oberfläche ab. Während unsere Sonne eine Oberflächentemperatur von ungefähr 5.500 Grad Celsius besitzt, liegt sie bei Stephenson 2-18 schätzungsweise nur bei etwa 2.900 Grad Celsius. Deshalb erscheint er rötlich.
Trotz seiner niedrigeren Oberflächentemperatur strahlt ein solcher Riesenstern insgesamt wesentlich mehr Energie ab als unsere Sonne, weil seine Oberfläche ungleich größer ist.

Wo liegen die Grenzen des Sternenwachstums?

Interessanterweise sind die größten Sterne nicht unbedingt die massereichsten. Manche extrem massereichen Sterne sind wesentlich kleiner als die gewaltig aufgeblähten Roten Überriesen.
Ihre äußeren Gasschichten sind nur schwach gebunden und können durch starke Sternwinde in den Weltraum abgestoßen werden. Solche Sterne verlieren im Laufe ihrer Entwicklung erhebliche Mengen Materie.
Die außergewöhnliche Größe ist deshalb häufig ein Zeichen dafür, dass sich ein massereicher Stern bereits in einer späten Phase seines Lebens befindet. Viele dieser Sterne beenden ihre Entwicklung schließlich mit einer gewaltigen Supernova oder dem Kollaps zu einem Schwarzen Loch.

Ist Stephenson 2-18 tatsächlich der größte Stern?

Diese Frage ist wissenschaftlich noch nicht eindeutig beantwortet.
Die oft genannte Größenangabe von rund drei Milliarden Kilometern beruht auf indirekten Berechnungen seiner Entfernung, Leuchtkraft und Temperatur. Eine neue Untersuchung vom September 2026 deutet auf eine etwas geringere Leuchtkraft und damit auf einen rechnerischen Durchmesser von etwa 2,6 Milliarden Kilometern hin.
Auch andere Riesensterne wie WOH G64 oder VY Canis Majoris zählen zu den größten bekannten Sternen. Ihre Größenangaben sind ebenfalls mit Unsicherheiten verbunden.
Stephenson 2-18 bleibt damit ein außergewöhnlicher Größenrekordkandidat, aber kein zweifelsfrei bestätigter Rekordhalter.

Doch selbst die gewaltigen Sterne des Universums sind letztlich nichts anderes als leuchtende Gaskugeln.
Um sie kreisen häufig Planeten, die im Vergleich zu ihren Zentralsternen meist wesentlich kleiner sind. Manche dieser Planeten erreichen allerdings selbst erstaunliche Dimensionen.

Der größte Planet im Universum

Nachdem wir die gewaltigen Dimensionen der größten Sterne kennengelernt haben, wenden wir uns nun den Planeten zu. Diese Himmelskörper erzeugen ihr Licht nicht selbst durch Kernfusion, sondern werden von ihren Zentralsternen beleuchtet. Doch auch unter den Planeten gibt es wahre Giganten, die selbst unseren Jupiter klein erscheinen lassen.
Einer der größten zuverlässig vermessenen Planeten ist HAT-P-67 b, ein sogenannter Exoplanet. So bezeichnet man Planeten, die nicht unsere Sonne, sondern einen anderen Stern umkreisen.

HAT-P-67 b befindet sich ungefähr 1.200 Lichtjahre von der Erde entfernt im Sternbild Herkules. Seine Entdeckung wurde 2017 bekanntgegeben.

Mit einem geschätzten Durchmesser von 306.000 Kilometern ist er mehr als doppelt so groß wie Jupiter, dessen Durchmesser rund 143.000 Kilometer beträgt. Unsere Erde mit ihren knapp 12.742 Kilometern Durchmesser würde sogar etwa 24-mal nebeneinander hineinpassen.
Doch dieser gewaltige Planet besitzt eine überraschende Eigenschaft: Trotz seines enormen Durchmessers hat er nicht einmal die halbe Masse des Jupiters.

Ein Planet wie ein aufgeblasener Ballon

HAT-P-67 b gehört zur Klasse der Gasriesen. Anders als die Erde besteht er überwiegend aus Wasserstoff und Helium und besitzt keine feste, klar abgegrenzte Oberfläche.
Seine außergewöhnliche Größe hängt vermutlich mit der starken Erwärmung durch seinen Zentralstern und der Entwicklung seiner Atmosphäre zusammen.
Der Planet umkreist seinen Stern in einer Entfernung von nur etwa 9,7 Millionen Kilometern. Zum Vergleich: Merkur, der sonnennächste Planet unseres Sonnensystems, ist durchschnittlich rund 58 Millionen Kilometer von der Sonne entfernt.

Während unsere Erde für einen vollständigen Sonnenumlauf ein Jahr benötigt, dauert ein Jahr auf HAT-P-67 b gerade einmal 4,81 Erdentage.
Die intensive Strahlung seines Sterns erhitzt den Planeten auf eine geschätzte Gleichgewichtstemperatur von rund 1.630 Grad Celsius. Seine äußeren Gasschichten sind dadurch extrem ausgedehnt.
Eine wissenschaftliche Untersuchung aus dem Jahr 2025 ergab eine mittlere Dichte von lediglich etwa 0,061 Gramm pro Kubikzentimeter. Das entspricht ungefähr einem Sechzehntel der Dichte von Wasser.
HAT-P-67 b gehört damit zu den am wenigsten dichten bekannten Gasriesen.
Die geringe Dichte hat allerdings ihren Preis. Die enorme Hitze und die vergleichsweise schwache Schwerkraft in den äußeren Gasschichten führen dazu, dass der Planet kontinuierlich Materie verliert.
Astronomen konnten nachweisen, dass Helium aus seiner Atmosphäre entweicht und sich weit in den Weltraum ausbreitet.

HAT-P-67 b ist deshalb kein unveränderlicher Himmelskörper. Seine Atmosphäre entwickelt sich weiter, und langfristig könnte der Planet durch den Einfluss seines Zentralsterns einen erheblichen Teil seiner Gashülle verlieren oder sogar vollständig zerstört werden.

Wie vermisst man einen so weit entfernten Planeten?

Von HAT-P-67 b existiert keine detaillierte Fotografie seiner Oberfläche oder Atmosphäre. Auch unsere Abbildung ist daher eine künstlerische Darstellung.
Seine Größe wurde hauptsächlich mithilfe der sogenannten Transitmethode bestimmt. Dabei beobachten Astronomen, wie der Planet vor seinem Zentralstern vorbeizieht und dessen Licht geringfügig abschwächt.
Aus der Stärke dieser Verdunkelung lässt sich das Größenverhältnis zwischen Planet und Stern berechnen. Weitere Messungen ermöglichen Rückschlüsse auf die Masse und die Eigenschaften seiner Atmosphäre.
Dabei ist zu berücksichtigen, dass ein Gasplanet keine scharf definierte Außengrenze besitzt. Sein gemessener Durchmesser hängt deshalb auch davon ab, in welcher Höhe seine Atmosphäre für das beobachtete Sternenlicht undurchsichtig wird.

Ist HAT-P-67 b damit tatsächlich der größte Planet des Universums?

Das lässt sich nicht mit letzter Sicherheit behaupten. Wir kennen nur einen kleinen Teil aller existierenden Planeten, und bei manchen besonders großen Exoplaneten sind die Messwerte noch ungenau. Hinzu kommt, dass die Abgrenzung zwischen sehr massereichen Gasplaneten und sogenannten Braunen Zwergen nicht immer eindeutig ist.
HAT-P-67 b gehört jedoch zu den größten gut vermessenen und bestätigten Exoplaneten.

Nun kehren in unsere unmittelbare astronomische Nachbarschaft zurück: das Sonnensystem.
Dort begegnen wir zunächst Jupiter, dem größten Planeten unseres eigenen Planetensystems.