Die Größten dieser Welt
Die Größten dieser Welt
Nach unserer Reise durch die unendlichen Weiten des Universums und die faszinierende Welt unseres Sonnensystems kehren wir nun zur Erde zurück. Auch unser eigener Planet hat erstaunliche Größenrekorde zu bieten.
In der Natur begegnen wir wahren Giganten. Ein einziges Lebewesen kann sich über eine Fläche von vielen Quadratkilometern erstrecken. In den Ozeanen lebt das schwerste Tier, das jemals auf der Erde existiert hat, und in den Wäldern Kaliforniens wächst ein Baum, der höher ist als die meisten Gebäude unserer Städte.
Auch die Landschaft unseres Planeten beeindruckt durch gewaltige Dimensionen, vom Gipfel des höchsten Berges bis zu den tiefsten Tiefen des Ozeans liegen rund zwanzig Kilometer Höhenunterschied.
Der Mensch versucht immer wieder die Grenzen des technisch Machbaren zu überwinden, mit immer höheren Bauwerken demonstriert er seine Ingenieurskunst, und geniert sich nicht, sich selbst als den "Größten" zu bezeichnen, wir wissen alle, wer gemeint ist.
Unsere Entdeckungsreise führt uns also zu den größten Wundern der Natur, zu den höchsten Leistungen des Menschen und schließlich zu einer faszinierenden Frage: Ist unsere Erde vielleicht selbst das größte Lebewesen von allen?
Das größte Lebewesen der Erde
Was ist das größte Lebewesen unseres Planeten? Ein gewaltiger Baum? Ein riesiger Wal? Oder vielleicht ein Pilz, dessen unterirdisches Geflecht einen ganzen Wald durchzieht?
Die Antwort hängt davon ab, wie wir Größe definieren. Drei außergewöhnliche Organismen halten unterschiedliche Rekorde.
Der größte Organismus nach Fläche – ein Seegras-Klon
In der australischen Shark Bay wächst eine unscheinbare Wasserpflanze namens Posidonia australis. Sie erstreckte sich ursprünglich über rund 200 Quadratkilometer, also beinahe die halbe Fläche Wiens.
Im Jahr 2022 entdeckten Wissenschaftler, dass die Seegraswiesen über eine Entfernung von mindestens 180 Kilometern genetisch zu einem einzigen Pflanzenklon gehören.
Die Pflanze vermehrt sich durch unterirdische Sprosse und ist schätzungsweise mindestens 4.500 Jahre alt. Allerdings haben Hitzewellen Teile der ursprünglichen Seegrasflächen zerstört.
Der schwerste Organismus – ein gigantischer Pilz
Im Malheur National Forest im amerikanischen Bundesstaat Oregon lebt ein riesiger Dunkler Hallimasch (Armillaria ostoyae).
Sein unterirdisches Pilzgeflecht erstreckt sich über rund 9,65 Quadratkilometer. Wissenschaftler schätzen sein Gewicht auf 6.800 bis 31.750 Tonnen und sein Alter auf mehrere Tausend Jahre.
Damit gilt dieser Pilz nach den verfügbaren Schätzungen als schwerster bekannter Einzelorganismus der Erde.
Die schwerste Pflanze – ein ganzer Wald
Im amerikanischen Bundesstaat Utah wächst eine außergewöhnliche Zitterpappel-Kolonie namens Pando.
Was wie ein Wald aus rund 47.000 einzelnen Bäumen aussieht, ist tatsächlich ein einziger Pflanzenklon mit einem gemeinsamen Wurzelsystem.
Pando bedeckt etwa 43 Hektar und wiegt schätzungsweise 6.000 Tonnen. Damit gilt er als schwerste bekannte Pflanze der Erde.
Was ist nun wirklich das größte Lebewesen?
Der Seegras-Klon hält den Flächenrekord, der Hallimasch vermutlich den Gewichtsrekord und Pando den Rekord unter den Pflanzen nach Masse.
Alle drei zeigen uns, dass gewaltige Lebewesen nicht unbedingt wie Giganten aussehen müssen.
Doch wie steht es mit einem einzelnen Tier, dessen Körper eine ungeheure Größe und ein enormes Gewicht erreicht?
Das größte lebende Tier
In den gewaltigen Weiten des Atlantiks, des Pazifiks, des Indischen Ozeans und der antarktischen Gewässer lebt ein Gigant: der Blauwal (Balaenoptera musculus). Er ist nicht nur das größte heute lebende Tier, sondern gilt nach seinem Gewicht sogar als das größte Tier, das jemals auf unserer Erde existiert hat.
Ein ausgewachsener Blauwal kann über 30 Meter lang werden und ein Gewicht von 150 bis 190 Tonnen erreichen. Allein seine Zunge kann mehrere Tonnen wiegen. Sein Herz hat ungefähr die Größe eines kleinen Autos.
Größer als die Dinosaurier?
Vor vielen Millionen Jahren lebten Dinosaurier, die den Blauwal zumindest in ihrer Länge übertrafen. Zu ihnen gehörten die gewaltigen Langhalsdinosaurier, die sogenannten Sauropoden.
Der in Argentinien entdeckte Patagotitan erreichte beispielsweise eine geschätzte Länge von 37,5 Metern. Mit etwa 57 Tonnen war er jedoch wesentlich leichter als ein großer Blauwal.
Andere Dinosaurier, etwa der Argentinosaurus, könnten noch schwerer gewesen sein. Ihre genaue Größe lässt sich aus den oft unvollständigen Fossilien allerdings nur annähernd bestimmen.
Der Blauwal bleibt damit das schwerste bekannte Tier der Erdgeschichte. Seine gewaltige Körpermasse verdankt er auch dem Wasser, das seinen Körper trägt und ihn von den Einschränkungen der Schwerkraft an Land weitgehend befreit.
Ein Gigant ernährt sich von Winzlingen
Besonders erstaunlich ist die Nahrung des Blauwals. Trotz seiner enormen Größe ernährt er sich fast ausschließlich von winzigen Krebstieren, dem sogenannten Krill.
Mit weit geöffnetem Maul nimmt er riesige Mengen Wasser und Krill auf. Anschließend presst er das Wasser durch seine Bartenplatten wieder hinaus. Die kleinen Krebstiere bleiben zurück und werden verschluckt.
Während der Fresssaison kann ein großer Blauwal täglich mehrere Tonnen Krill verzehren.
Blauwale sind Säugetiere. Sie atmen Luft, bringen lebende Junge zur Welt und säugen ihren Nachwuchs mit Milch.
Schon bei der Geburt ist ein Blauwalkalb ungefähr sieben Meter lang und wiegt mehrere Tonnen. In seinen ersten Lebensmonaten wächst es erstaunlich schnell.
Die Stimme eines Giganten
Blauwale gehören auch zu den lautstärksten Tieren der Erde. Ihre tiefen, weitreichenden Laute dienen vermutlich vor allem der Verständigung über große Entfernungen.
Sie durchwandern weite Teile der Ozeane und legen auf ihren Wanderungen Tausende Kilometer zurück.
Noch vor rund hundert Jahren bevölkerten wesentlich mehr Blauwale die Weltmeere. Der industrielle Walfang brachte sie jedoch an den Rand der Ausrottung.
Heute stehen sie unter internationalem Schutz. Dennoch bedrohen Schiffskollisionen, Fischereigeräte und zunehmender Unterwasserlärm ihre Bestände.
Der Blauwal zeigt eindrucksvoll, welche gewaltigen Dimensionen das Leben auf unserem Planeten erreichen kann.
Doch nicht alle Giganten leben im Meer. An Land begegnen wir nun einem anderen Rekordhalter.
Der größte Baum
In den dichten, nebelverhangenen Wäldern Nordkaliforniens wächst ein Gigant, der alle anderen bekannten lebenden Bäume der Erde überragt. Sein Name ist Hyperion, benannt nach einem Titanen aus der griechischen Mythologie.
Er ist ein Küstenmammutbaum (Sequoia sempervirens) und steht im Redwood-Nationalpark. Bei seiner letzten veröffentlichten offiziellen Vermessung im Jahr 2019 erreichte er eine Höhe von 116,07 Metern.
Damit ist er höher als die Freiheitsstatue in New York einschließlich ihres Sockels und ungefähr so hoch wie ein 35- bis 40-stöckiges Hochhaus.
Ein jahrhundertealter Gigant
Am 25. August 2006 entdeckten die beiden amerikanischen Baumforscher Chris Atkins und Michael Taylor den außergewöhnlichen Baum in einem abgelegenen Waldgebiet.
Seine Höhe wurde zunächst mit rund 115,5 Metern bestimmt. Spätere Messungen zeigten, dass Hyperion weitergewachsen war.
Sein Alter wird auf etwa 600 bis 800 Jahre geschätzt. Als er zu wachsen begann, befand sich Europa noch im Mittelalter.
Küstenmammutbäume können außergewöhnliche Höhen erreichen. Sie wachsen in einer Region mit mildem Klima, reichlichen Niederschlägen und häufigem Küstennebel. Der Nebel versorgt ihre Blätter zusätzlich mit Feuchtigkeit und hilft ihnen, trockene Sommerperioden zu überstehen.
Ihre dicke, widerstandsfähige Rinde schützt sie außerdem gegen viele Waldbrände und Schädlinge.
Der höchste ist nicht der mächtigste
Hyperion hält den Höhenrekord. Doch wenn wir nach dem größten Holzvolumen fragen, gewinnt ein anderer Baum.
Der General Sherman Tree, ein Riesenmammutbaum (Sequoiadendron giganteum) im kalifornischen Sequoia-Nationalpark, ist mit rund 83,8 Metern deutlich niedriger als Hyperion.
Sein gewaltiger Stamm besitzt jedoch ein Volumen von ungefähr 1.487 Kubikmetern. Damit gilt er als der volumenmäßig größte bekannte lebende Einzelbaum der Erde.
Während Hyperion vor allem durch seine Höhe beeindruckt, ist General Sherman ein wahrer Gigant an Masse.
Ein gut gehütetes Geheimnis
Der genaue Standort von Hyperion wird zum Schutz des Baumes nicht öffentlich bekannt gegeben.
Nachdem immer mehr Besucher versuchten, ihn abseits der Wanderwege zu erreichen, wurden der Waldboden und die empfindliche Vegetation rund um seinen Stamm stark beschädigt.
Die Nationalparkverwaltung schützt deshalb das Gebiet besonders streng und rät ausdrücklich davon ab, den Baum aufzusuchen.
So bleibt der höchste bekannte Baum der Erde ein weitgehend verborgenes Naturwunder.
Hyperion zeigt uns, welche unglaublichen Höhen die Natur erreichen kann. Doch selbst seine gewaltigen 116 Meter wirken bescheiden gegenüber den höchsten Bergen unseres Planeten.
Vom höchsten zum tiefsten Punkt
Unsere Erde ist keineswegs eine gleichmäßige Kugel. Ihre Oberfläche ist von gewaltigen Gebirgen, tiefen Tälern und ausgedehnten Ozeanbecken geprägt.
Zwischen dem höchsten Berggipfel und dem tiefsten bekannten Punkt des Meeresbodens liegen beinahe 20 Kilometer. Beide Rekordhalter sind das Ergebnis gewaltiger geologischer Kräfte, die unseren Planeten seit Milliarden Jahren verändern.
Der höchste Punkt der Erde – Mount Everest
Im Himalaya, an der Grenze zwischen Nepal und China, erhebt sich der Mount Everest. Mit einer offiziell vermessenen Höhe von 8.848,86 Metern über dem Meeresspiegel ist er der höchste Berg der Erde.
Seine Entstehung begann vor rund 50 Millionen Jahren, als die Indische Kontinentalplatte mit der Eurasischen Platte zusammenstieß. Durch den gewaltigen Druck wurden Gesteinsschichten aufgefaltet und nach oben gedrückt. So entstand das Himalaya-Gebirge.
Dieser Vorgang dauert bis heute an. Das Gebirge hebt sich stellenweise noch immer, während Wind, Wasser und Eis gleichzeitig an seinen Gipfeln nagen.
Am 29. Mai 1953 erreichten der Neuseeländer Edmund Hillary und der nepalesische Sherpa Tenzing Norgay als erste nachweislich den Gipfel.
Dort oben herrschen lebensfeindliche Bedingungen. Die Temperaturen können weit unter minus 30 Grad Celsius fallen. Der Luftdruck beträgt nur etwa ein Drittel des Drucks auf Meereshöhe. Ohne zusätzliche Sauerstoffversorgung wird jeder Schritt zur Herausforderung.
Der tiefste Punkt der Erde – Marianengraben
Auf der anderen Seite unseres Planeten, im westlichen Pazifik, befindet sich der Marianengraben.
Er erstreckt sich über rund 2.500 Kilometer und erreicht an seiner tiefsten bekannten Stelle, dem sogenannten Challenger Deep, eine Tiefe von ungefähr 10.935 Metern unter dem Meeresspiegel.
Der Marianengraben entstand durch die Bewegung der Erdplatten. Hier schiebt sich die Pazifische Platte unter die benachbarte Philippinische Meeresplatte. Dieser Vorgang wird als Subduktion bezeichnet.
In der Tiefsee herrschen extreme Bedingungen. Sonnenlicht dringt nicht bis zum Meeresboden vor. Die Wassertemperatur liegt nur wenige Grad über dem Gefrierpunkt. Der Druck ist dort unten etwa 1.100-mal so hoch wie an der Meeresoberfläche.
Dennoch gibt es selbst in dieser lebensfeindlichen Umgebung Organismen, die sich an die extremen Bedingungen angepasst haben.
Menschen am tiefsten Punkt der Erde
Am 23. Januar 1960 erreichten der Schweizer Jacques Piccard und der Amerikaner Don Walsh mit dem Tiefseetauchboot Trieste erstmals den Grund des Challenger Deep.
Ihre historische Tauchfahrt dauerte mehrere Stunden. In der Tiefe konnten sie sich nur etwa 20 Minuten aufhalten, bevor sie den langen Aufstieg begannen.
Erst 2012 gelang dem Filmregisseur James Cameron mit einem speziell konstruierten Tauchboot eine weitere bemannte Expedition zum tiefsten Meeresboden.
Im Jahr 2019 folgte der amerikanische Unternehmer und Tiefseeforscher Victor Vescovo. Seine späteren Tauchfahrten ermöglichten besonders genaue Tiefenmessungen und wissenschaftliche Untersuchungen.
Fast 20 Kilometer Höhenunterschied
Würde man den Mount Everest gedanklich in den Marianengraben versenken, läge sein Gipfel noch immer mehr als zwei Kilometer unter der Wasseroberfläche.
Vom Gipfel des Everest bis zum Grund des Challenger Deep ergibt sich, bezogen auf den Meeresspiegel, ein Höhenunterschied von rund 19.784 Metern.
Diese beiden Extreme zeigen, welche gewaltigen Kräfte im Inneren unserer Erde wirken.
Doch während die Natur Millionen von Jahren benötigt, um Berge entstehen zu lassen, versucht der Mensch seit Jahrtausenden, selbst immer höher zu bauen.
Das höchste Bauwerk
Seit Jahrtausenden versucht der Mensch, immer höher zu bauen. Von den gewaltigen Pyramiden Ägyptens über die mittelalterlichen Kathedralen bis zu den modernen Wolkenkratzern reicht eine Geschichte voller Ehrgeiz, Erfindungsgeist und technischer Meisterleistungen.
Doch kein vollendetes Gebäude der Erde reicht so hoch in den Himmel wie der Burj Khalifa in Dubai.
Mit einer Höhe von 828 Metern ist er seit seiner Eröffnung am 4. Januar 2010 das höchste Gebäude der Welt.
Ein Wolkenkratzer der Superlative
Der Bau des Burj Khalifa begann im Jahr 2004. Unter der Leitung des amerikanischen Architekturbüros Skidmore, Owings & Merrill entstand innerhalb weniger Jahre ein gewaltiger Turm aus Stahl, Beton und Glas.
Seine 163 nutzbaren beziehungsweise technisch erschlossenen oberirdischen Stockwerke beherbergen Wohnungen, Büros, ein Luxushotel und mehrere Aussichtsplattformen.
Die außergewöhnliche Höhe stellte die Ingenieure vor enorme Herausforderungen. Besonders der Wind übt auf derart hohe Gebäude gewaltige Kräfte aus.
Deshalb erhielt der Burj Khalifa einen ungewöhnlichen Grundriss in Form eines dreiflügeligen Y. Seine mehrfach abgestufte Silhouette verringert die Auswirkungen des Windes und verleiht dem Gebäude seine charakteristische Gestalt.
Auch die Aufzüge, die Wasserversorgung und die Klimatisierung mussten speziell für diese Dimensionen entwickelt werden.
Wie hoch sind 828 Meter eigentlich?
Ein Vergleich mit bekannten Bauwerken macht diese Höhe erst richtig anschaulich.
Der Wiener Donauturm erreicht 252 Meter. Der berühmte Eiffelturm in Paris ist einschließlich seiner Antenne 330 Meter hoch. Das Empire State Building in New York misst einschließlich seiner Antenne rund 443 Meter.
Würde man diese drei Bauwerke gedanklich übereinanderstellen, ergäbe sich eine Gesamthöhe von 1.025 Metern.
Natürlich wäre eine solche Konstruktion technisch völlig unrealistisch. Als Größenvergleich zeigt sie jedoch eindrucksvoll, welche Dimensionen der Wolkenkratzer in Dubai erreicht.
Der Turmbau zu Babel – höher als alles andere?
Der Legende nach gingen Menschen daran, einen Turm zu errichten, dessen Spitze bis an den Himmel reichen sollte.
Die bekannteste Überlieferung ist die biblische Geschichte vom Turmbau zu Babel.
Im Alten Testament wird allerdings keine konkrete Höhe genannt. Erst das wesentlich später entstandene Buch der Jubiläen beschreibt einen Turm von 5.433 Ellen und zwei Handbreit. Je nach verwendeter Ellenlänge entspricht dies ungefähr 2.500 Metern.
Damit wäre der sagenhafte Turm etwa dreimal so hoch gewesen wie der Burj Khalifa!
Als mögliches historisches Vorbild gilt die babylonische Tempelpyramide Etemenanki. Antike Beschreibungen nennen eine Höhe von ungefähr 90 Metern. Ob diese Höhe tatsächlich erreicht wurde, ist allerdings umstritten.
Die gewaltigen Dimensionen der biblischen Erzählung gehören jedenfalls in das Reich der Legenden.
Der menschliche Drang nach Größe
Der Burj Khalifa zeigt, wie weit sich die technischen Möglichkeiten der Menschheit entwickelt haben. Innerhalb weniger Jahrhunderte wurden aus vergleichsweise niedrigen Steinbauten gewaltige Konstruktionen, die beinahe einen Kilometer in den Himmel ragen.
Doch auch dieser Rekord wird möglicherweise eines Tages übertroffen werden. Neue Materialien, verbesserte Bautechniken und ehrgeizige Bauprojekte verschieben die Grenzen des Machbaren immer weiter.
Nach all diesen Superlativen von Natur und Technik stellt sich eine ungewöhnliche Frage: Könnte unser gesamter Planet vielleicht selbst als ein gewaltiges Lebewesen betrachtet werden?
Die Gaia-Hypothese – Ist die Erde ein Lebewesen?
Ginge es nach dem britischen Wissenschaftler James Lovelock, so könnte der gesamte Planet Erde als eine Art riesiges Lebewesen betrachtet werden. Nicht im wörtlichen Sinn, sondern als ein gewaltiges, zusammenhängendes System, das seine eigenen Lebensbedingungen beeinflusst und teilweise selbst reguliert.
Diese faszinierende Vorstellung entwickelte Lovelock in den 1970er-Jahren gemeinsam mit der amerikanischen Mikrobiologin Lynn Margulis. Sie wurde als Gaia-Hypothese bekannt, benannt nach Gaia, der griechischen Göttin und Mutter Erde.
Ein Planet, der sich selbst reguliert
Lovelock betrachtete die Erde nicht einfach als einen Planeten, auf dessen Oberfläche zufällig Leben entstanden ist. Er sah ein komplexes Zusammenspiel zwischen allen Lebewesen und ihrer Umwelt.
Pflanzen nehmen Kohlendioxid auf und produzieren Sauerstoff. Tiere und Mikroorganismen verändern die Zusammensetzung der Atmosphäre. Die Ozeane speichern Wärme und Kohlendioxid, während Wälder den Wasserkreislauf und das Klima beeinflussen.
All diese Vorgänge sind miteinander verbunden. Verändert sich ein Teil des Systems, hat das Auswirkungen auf viele andere Bereiche.
Lovelock vermutete, dass solche Wechselwirkungen über lange Zeiträume dazu beitragen können, die Umweltbedingungen für das Leben günstig zu halten.
Die Erde als Superorganismus
Unser eigener Körper reguliert beispielsweise seine Temperatur, seinen Wasserhaushalt und zahlreiche chemische Prozesse. Ohne diese Mechanismen könnten wir nicht überleben.
Nach der Gaia-Hypothese besitzt auch unser Planet gewisse vergleichbare Eigenschaften. Atmosphäre, Ozeane, Gesteine und Lebewesen bilden ein System, in dem unzählige natürliche Rückkopplungen stattfinden.
Man könnte die Erde deshalb bildlich als einen Superorganismus bezeichnen.
Allerdings bedeutet das nicht dass unser Planet ein Bewusstsein besitzt, Entscheidungen trifft oder gezielt für das Wohlergehen seiner Bewohner sorgt.
Wissenschaft oder Philosophie?
Die Gaia-Hypothese löste in der Wissenschaft heftige Diskussionen aus.
Heute gilt als gesichert, dass Lebewesen und ihre Umwelt einander ständig beeinflussen. Die Erforschung dieser Zusammenhänge gehört zu den Grundlagen der modernen Erdsystemwissenschaft.
Umstritten bleibt hingegen die Vorstellung, dass sich die Erde als Ganzes wie ein einzelner Organismus verhält und ihre Lebensbedingungen grundsätzlich selbst stabilisiert. Manche natürlichen Rückkopplungen wirken ausgleichend, andere können Veränderungen sogar verstärken.
Die Erde ist nach den üblichen biologischen Kriterien kein einzelnes Lebewesen. Sie besitzt keinen eigenen Stoffwechsel im Sinne eines Organismus und pflanzt sich auch nicht fort.
Dennoch hat Lovelocks Idee unsere Sicht auf den Planeten nachhaltig geprägt.
In der griechischen Mythologie verkörpert Gaia die Erde selbst. Sie ist die Urmutter, aus der das Leben hervorgeht.
Lovelock verwendete diesen Namen als Sinnbild für die enge Verbindung zwischen unserem Planeten und seinen Bewohnern.
Obwohl die Erde wissenschaftlich nicht als einzelnes Lebewesen gilt, ist sie zweifellos das größte zusammenhängende System, das wir unmittelbar mit dem Leben in Verbindung bringen.
Nach dieser philosophischen Betrachtung gehen wir über zu den Kleinsten dieser Welt.